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Weltkulturerbe der UNESCO

Burgen von Bellinzona (2000)

Burgen von Bellinzona

Quelle: http://www.unesco.ch


Die Tre Castelli von Bellinzona sind im ganzen Alpengebiet das einzige noch vorhandene Beispiel mittelalterlicher Militärarchitektur und gehören zu den bedeutendsten Zeugen der Befestigungsbaukunst in der Schweiz. Das UNESCO-Welterbekomitee hat die Tre Castelli an der 24. Jahrestagung vom 27. November bis 2. Dezember 2000 in Cairns (Australien) in die Welterbe-Liste eingetragen.

In der Talenge von Bellinzona laufen soviele Passrouten zusammen, wie bei kaum einem anderen südlichen Alpenausgang. Neben den für den Verkehr erschlossenen Übergängen des Nufenen, Gotthard, Lukmanier und San Bernardino wurden in früheren Epochen des Reit-, Saum- und Fussverkehrs auch Pfade über die Greina sowie die West-Ost-Route Domodossola-Centovalli-San Jorio-Veltlin rege begangen. All diese Routen bündelten sich bei Bellinzona auf einer Länge von wenigen Kilometern zu einem einzigen Strang, der sich weiter südlich wieder in verschiedene Achsen zu Wasser und zu Lande in die lombardische Ebene hinein verzweigte. Die topografischen Voraussetzungen mit dem von der östlichen Bergflanke her weit ins Tal vorgeschobenen Felsrücken des Castelgrande luden zur Errichtung der Befestigungsanlagen geradezu ein.

In der römischen Kaiserzeit wurde unter Kaiser Augustus der Alpenraum in mehreren Feldzügen dem Imperium Romanum angegliedert, das rätische Gebiet wurde im Jahr 15 v. Chr. unterworfen. Als Basis für diese Vorstösse wurde auf dem Felsrücken des Castelgrande ein Kastell angelegt. Um Mitte des 4. Jahrhunderts entstand eine weitläufige Wehranlage, welche im Bedarfsfall eine ganze Kohorte (1'000 Mann) aufnehmen konnte. Das Kastell Castelgrande galt lange Zeit als uneinnehmbar und spielte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder eine wichtige Rolle bei nach Norden gerichteten Offensiven und Gegenschlägen der Herrscher Mailands. 1340 fiel Bellinzona nach langer Belagerung durch Mailand für eineinhalb Jahrhunderte unter dessen Herrschaft.

Ende des 13. Jahrhunderts entstand auf dem Felssporn östlich von Bellinzona das Castello di Montebello. Um 1350 wurde das Castello di Montebello vergrössert und mit Schenkelmauern an die Stadtbefestigung Bellinzonas angeschlossen. Um kurz nach 1400 entstand auf einem erhöhten Felskopf der östlichen Bergflanke ein Turm, der Kern des späteren Castello di Sasso Corbaro. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurden Castelgrande und Montebello mit weiteren Befestigungsanlagen verstärkt und auf dem Castel Sasso Corbaro entstand ebenfalls ein Kastell. Der imposante Anblick der heutigen Befestigungen in Bellinzona geht im wesentlichen auf die Bautätigkeit der Herzöge von Mailand zurück.

1516 ging Bellinzona nach wiederholten Bestrebungen der Innerschweizer Kantone Uri, Schwyz und Nidwalden an diese über und war als Grafschaft bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft 1798 unter deren Herrschaft. Mit der Gründung des Kantons Tessin im Jahre 1803 gingen die drei Burgen in den Besitz des Kantons über. Montebello und Sasso Corbaro verfielen und boten sich um 1900 als Bauruinen dar. Castelgrande diente seit 1813 als Zeughaus und ab etwa 1820 als kantonales Gefängnis.

Die umfassendsten Sicherungs- und Wiederherstellungsarbeiten fanden zwischen 1920 und 1955 statt, mit den Sanierungsmassnahmen von 1992 wurde die Restaurierung des Castelgrande vorläufig vollendet.


Hiermit bedanken wir uns für die freundliche Unterstützung der UNESCO Schweiz.
www.unesco.ch


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