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Weltkulturerbe der UNESCO

Stiftsbibliothek und Stiftsbezirk St. Gallen (1983)

Stiftsbibliothek und Stiftsbezirk St. Gallen

Quelle: http://www.unesco.ch


Wo heute die barocke Klosterkirche von St. Gallen steht, baute der Mönch Gallus im Jahre 612 für sich eine Zelle, weil er krank war. Wie aus der Zelle des Gallus das Kloster St. Gallen wurde, das beschreibt der Reichenauer Mönch und Dichter Walafried Strabo in seiner Gallus-Vita aus dem Jahre 835. Nach ihr hat 719 - 100 Jahre nach Gallus Tod - der alemannische Priester Otmar am Grab des Heiligen Gallus ein Kloster nach den Regeln des heiligen Benedikt gegründet.

Unter dem Schutz von Kaiser und Königen, geleitet von hochbegabten Äbten entwickelte es sich zu einem bedeutenden geistigen Zentrum des europäischen Abendlandes. Höhepunkt war das sogenannte Goldene Zeitalter vom 9. bis zum 10. Jahrhundert.

Das Stiftsarchiv verwahrt an die 800 Urkunden über Schenkungen von Wohltätern aus der Zeit von 740 - 960. Die schönsten Handschriften aus dieser frühen Zeit hütet die Stiftsbibliothek. Fast von Anfang an besass das Kloster eine Bibliothek, Bücher wurden für die Liturgie und die Wissenschaft gesammelt, abgeschrieben, neu zusammengestellt, denn Gebet und Studium gehörten zusammen.

Die Stiftsbibliothek zählt 150.000 Bände, ihr wahrer Schatz aber ruht im Manuskriptenkabinett. Rund 2000 Handschriften werden hier aufbewahrt. Mehr als 400 von ihnen über 1000 Jahre alt. Sie bezeugen, dass das Kloster die Kultur Europas entscheidend mitgeprägt hat.

Etwas ganz Besonderes sind die irisch-keltischen Handschriften. Zwar sind viele von ihnen verloren gegangen, dennoch ist die Sammlung eine der bedeutendsten der Welt. Unschätzbar auch das Lateinisch- Deutsche Wörterbuch, entstanden um das Jahr 790. Es ist das älteste deutsche Buch überhaupt.

926 überfielen die Ungarn St. Gallen, das goldenes Zeitalter endete. 11 Jahre später erlitt das Kloster schweren Schaden durch ein verheerendes Feuer. Doch das Kloster erholte sich und erlebte im 11. Jahrhundert eine zweite Blüte: sein Silbernes Zeitalter.

In der Reformation wurde die Stadt St. Gallen unter Führung von Vadian protestantisch. 1529 stürmten die Bürger das Kloster, die Mönche flohen. Drei Jahre später kehrten sie zurück und bauten ab 1755 die Klosterkirche und die Bibliothek neu auf - seither hütet sie in ihrem barocken Prachtgewand - einer Schatulle gleich - den mittelalterlichen Schatz, der nunmehr der ganzen Welt gehört. Die Stiftsbibliothek und der Stiftsbezirk St. Gallen wurden anlässlich der Sitzung des Welterbekomitees vom 5. bis 9. Dezember 1983 in Florenz (Italien) in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.


Hiermit bedanken wir uns für die freundliche Unterstützung der UNESCO Schweiz.
www.unesco.ch


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